Über die Tschechische Republik

Ländername: Tschechische Republik (Česká republika)
Klima: Übergang vom ozeanisch beeinflussten zum kontinentalen Klima
Geographische Lage: Zwischen 12 und 19 Grad östlicher Länge sowie 48 und 51 Grad nördlicher Breite. Tschechien grenzt an Deutschland (circa 815 Kilometer) sowie an Österreich, Polen und die Slowakei.
Größe: 78.866 Quadratkilometer
Hauptstadt: Prag mit 1,3 Millionen Einwohnern
Bevölkerung: 10,53 Mio. (133 Einwohner pro qkm), Wachstumsrate 0,19 Prozent, ethnische Zusammensetzung 90,1 Prozent Tschechen, 3,7 Prozent Mährer und Schlesier, 1,8 Prozent Slowaken, 0,5 Prozent Polen, 0,4 Prozent Deutsche, 3,4 Prozent andere. Schätzungsweise leben ca. 200.000 – 300.000 Roma in Tschechien (ca. 2 – 3 Prozent).
Landessprache: Tschechisch
Religion: 59 Prozent ohne Bekenntnis, 27 Prozent römisch-katholisch, 1,2 Prozent evangelisch, 1,0 Prozent tschechisch-hussitisch, 0,2 Prozent orthodox

Bilaterale Kultur-, Wissenschafts- und Bildungspolitik

Die deutsch-tschechischen Beziehungen zeichnen sich durch rege nachbarschaftliche Kontakte auf allen Ebenen aus. Viele dieser Kontakte finden direkt zwischen den jeweiligen Kommunen, Museen oder Freundschaftsvereinen statt. Es bleibt das vorrangige Ziel, das Interesse am Nachbarn, insbesondere auch an der Sprache des Nachbarn, aufrechtzuerhalten und zu steigern.

Deutsch als Fremdsprache

Erster Ansatzpunkt ist die Schule. Etwa 375.000 Schüler erlernen im tschechischen Schulsystem Deutsch entweder als erste oder als zweite Fremdsprache. Dieses Interesse gilt es wach zu halten. Die Deutsche Schule Prag (ca. 420 Schüler), an der das deutsche Abitur erworben werden kann, verfügt auch über einen deutsch-tschechischen Zweig und hat sich als Begegnungsschule hohe Ziele gesetzt. Eine wichtige Rolle kommt auch dem zweisprachigen Thomas-Mann-Gymnasium mit ca. 150 Schülern sowie der „Grundschule der deutsch-tschechischen Verständigung“ zu. Das Deutsche Sprachdiplom I (DSD I) ermöglicht die Teilnahme an einem deutschen Studienkolleg und wird aktuell an 2 Schulen in Tschechien geprüft.

An einem tschechischen Gymnasium in Reichenberg (Liberec) besteht eine deutschsprachige Abteilung. Zudem können an 18 tschechischen Schulen Prüfungen zum “Deutschen Sprachdiplom II” (DSD II) abgelegt werden. 30 entsandte Lehrerinnen und Lehrer unterrichten an ausgewählten tschechischen Gymnasien und Grundschulen. Ein deutscher Fachberater ist landesweit Ansprechpartner sowohl für Schüler als auch für tschechische Deutschlehrer.

Auf Initiative des Bundesaußenministers startete Anfang 2008 das Projekt „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH), in dessen Rahmen ein globales Netzwerk von über 1000 Schulen etabliert wurde. Ziel der PASCH-Initiative ist es, bei jungen Menschen Interesse und Begeisterung für das moderne Deutschland und seine Gesellschaft zu wecken.

In der Tschechischen Republik wurden daher zusätzlich zu den DSD-Schulen, den bereits geförderten Grundschulen, dem Spezialgymnasium in Reichenberg und der Deutschen Schule drei weitere Partnerschulen ausgewählt – ein Gymnasium, eine Grundschule und eine Handelsakademie. Dazu kommen zehn weitere Schulen, die in ein erweitertes Netzwerk aufgenommen wurden und zu allen Veranstaltungen im Land eingeladen werden. Die Partnerschulen erhalten u.a. Ausstattungshilfen, Fortbildungsmaßnahmen für Deutschlehrer, Sommersprachkurse und Unterstützung bei der Vernetzung mit den anderen Partnerschulen weltweit, um einen attraktiven Deutschunterricht zu ermöglichen.

Studium und Stipendien

An den Hochschulen steht die Förderung tschechischer Nachwuchseliten durch Studien- und Forschungsaufenthalte in Deutschland, die Förderung der germanistischen Ausbildung sowie die Förderung des studienbegleitenden Deutschunterrichts im Mittelpunkt. Lektoren des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) sind an den meisten Universitätsstandorten vertreten, das DAAD-Zentrum in Prag informiert zum Thema Studieren und Forschen in Deutschland und zu den circa 800 Stipendien, die jährlich an Tschechinnen und Tschechen vergeben werden.

Als Instrumente der akademischen Förderung stehen Stipendienprogramme des DAAD und der akademischen Stiftungen, die durch die EU-Stipendienprogramme SOKRATES und ERASMUS ergänzt werden, der Medienversand oder Internetpräsentationen zur Verfügung. Auf der Ebene des Wissenschafts- und Hochschulmanagements wird die Zusammenarbeit zwischen den Forschungsorganisationen ausgebaut, so zum Beispiel durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Czech Science Foundation im Rahmen von bilateralen Vereinbarungen, durch das Bundesministerium für Forschung und Bildung, den DAAD, die Akademie der Wissenschaften (AV ČR) im Programm des projektbezogenen tschechischen Forscheraustauschs für Forschergruppen aus Tschechien und Deutschland oder durch die Alexander-von-Humboldt-Stiftung.

Ein Äquivalenzabkommen (Abkommen über die gegenseitige Anerkennung von Gleichwertigkeiten von Bildungsnachweisen im Sekundar- und Hochschulbereich) ist am 07.07.2008 in Kraft getreten.

Goethe-Institut

Wichtigster Mittler der deutschen Kulturpolitik ist das Goethe-Institut in Prag, dem auch die regionale Koordinierung für das Baltikum und Mitteleuropa übertragen wurde. Es wird durch Goethe-Zentren in Pardubitz und Budweis unterstützt.

Theater und Festivals

Jedes Jahr findet im Herbst ein weitgehend von Sponsoren finanziertes, zweiwöchiges Prager Theaterfestival deutscher Sprache statt. Das Festival holt namhafte Theaterproduktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Prager Theaterbühnen. Das Festival findet 2012 im 17. Jahr statt und findet starken Anklang bei Publikum und Kritik.

Dieses Engagement für das Sprechtheater wird ergänzt durch Kooperationen in den Bereichen Film, Musik und den neuen Medien. Tschechische Filmfestivals wie etwa das Karlsbader Filmfestival oder das deutschsprachige Filmfestival „Der Film“ in Prag sind beim Publikum sehr beliebt.

Jugendaustausch

Das Koordinierungszentrum TANDEM mit seinen Büros in Regensburg und Pilsen organisiert den bilateralen Jugendaustausch. Das Deutsch-Tschechische Jugendforum, ursprünglich ein Projekt des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums, kommt mehrmals im Jahr zusammen, um über Belange der deutsch-tschechischen Jugend zu diskutieren und eigene Projekte zu initiieren.

Deutsche Minderheit

Die von tschechischer Seite wie auch von der Bundesregierung geförderten, im ganzen Land verteilten Begegnungszentren der deutschen Minderheit und Kulturvereine sind zum Großteil in der Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien organisiert. Im Rahmen ihrer kulturellen Tätigkeit bieten sie u.a. Sprachkurse an und beteiligen sich an teilweise grenzüberschreitenden Projekten. Eine weitere Organisation ist der Jugendverband JUKON, der es sich zum Ziel gesetzt hat, junge Deutsche und Tschechen zusammenzubringen.